Beleidigte Leberwurst

Neulich als ich meine Tochter in den Kindergarten brachte. 

 

Zwei Mädchen aus dem Kindergarten, etwa im Abstand von 30 Metern standen sie. Die eine mit dem Kopf zur Hauswand, bewegungslos. „Beleidigte Leberwurst“ - schon von weitem erkennbar. 

Empathie bringt`s

Ich ging zuerst zur Nicht-Beleidigten und fragte, ob die andere beleidigt sei. Ja. Sie hatten auf ihrem Weg Spaß daran gehabt, in Eimer mit Gebraucht-Schuhen, die zur Abholung bereitstanden, zu schauen. Und die Beleidigte hatte einen pinken Eimer aufmachen wollen, die andere war aber schneller gewesen. Jetzt stand sie da, alles gute Zurufen der Freundin und dann auch meiner Tochter, half nicht.

Eigentlich wollte ich schnell weiter, ich bin dann aber doch hingelaufen.

„Bist du beleidigt, weil du den Eimer nicht öffnen durftest?“ „Ja.“

„Mmh, guck mal, deine Schuhe haben genau die Farbe des Eimers“ „Ja.“

„Was könntest du denn jetzt tun, damit du wieder fröhlich wirst?“.

Jetzt merkte ich, wie das Mädchen anfing nachzudenken. Dann kramte sie in ihrer Jackentasche und holte eine Buchecker hervor „Da, schenk ich dir!“ und strahlte mich an. Und setzte sich mit mir in Bewegung und wir erzählten über Bucheckerlen. Kein Gedanke mehr an die Eimer. Als ihre Freundin ihr nun anbot, sie dürfe den letzten Eimer vor dem Kindergarten noch öffnen, winkte sie ab. Nicht mehr wichtig.

 

Kinder haben tolle Bewältigungsstrategien

Ich weiß nicht, was ihr letztendlich geholfen hat. Vielleicht dass ich Anteil genommen hatte, empathisch war. Vielleicht war ihr instinktiv klar, jemand anderem eine Freude zu machen verbessert die eigene Laune? 

Kinder können zwar nicht immer ausdrücken, was sie beschäftigt, aber sie haben tolle Strategien der Selbstkontrolle.

Wir können, wenn wir uns etwas mehr Zeit nehmen, darauf vertrauen, dass die Kinder ihre Lösungen finden. Wir müssen nur ein bisschen ehrlich Anteil nehmen, warten und vertrauen.

Und wenn die eigenen Kinder beleidigt sind: selbst in guter Stimmung bleiben, denn meine Stimmung kann unabhängig von der Stimmung meines Kindes sein!

 

Das Öfteren beobachte ich, dass Kinder sehr schnell sehr schlecht drauf sein können, aber genauso schnell auch wieder gut drauf sind. Weinen, und kurz darauf lachen. Sich schlagen, und kurz drauf miteinander spielen. Vergeben, vergessen. Ach könnte es bei uns Erwachsenen auch so einfach sein...

 

 

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